Konventionelles
Fernsehen
Als Fernsehen (auch "TV" genannt) bezeichnet
man das Massenmedium, das zentral produzierte audiovisuelle
Sendungen in einer Richtung und synchron an ein ausgewähltes
Publikum vermittelt.
Unter Fernsehen wird aber auch ein sozio-technischer
Komplex von Organisationen und Techniken verstanden
und auch die Tätigkeit der Zuschauer, die mittels eines
Fernsehgeräts fernsehen.
Die Technik:
Beim Fernsehen stehen einige Programmanbieter einem
Massenpublikum von vielen Millionen Zuschauern gegenüber.
Das ist in den meisten Ländern historisch bedingt.
Aufgrund der bestehenden Gesetze das Fernsehen betreffend,
darf das Fernsehen ausnahmslos von öffentlichen Anstalten
betrieben werden. Das hat sich dann mit sinkenden Sendekosten
geändert. Die Kosten zur Produktion der Inhalte werden
von den Programmanbietern auf verschiedenen Wegen eingenommen.
Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die einen
staatlichen Auftrag haben, und sich an deren Inhalte
zu orientieren haben, finanzieren sich in Deutschland
zu einem großen Teil aus staatlich festgelegten Gebühren
(GEZ) und zusätzlich noch Werbung. Einige weitere Einnahmequellen
bestehen im Weiterverkauf oder in der Lizenzierung eigener
Fernsehproduktionen.
Die privaten Fernsehsender finanzieren sich ausschließlich
durch Werbung. Fernsehproduktionen werden in der Regel
nur in Auftrag gegeben. Ein Großteil der Programminhalte
wird gekauft oder lizenziert. Bei den gekauften oder
lizenzierten Produktionen von den deutschen privaten
Fernsehsender handelt es sich meist immer um umsatzträchtige
US-amerikanische Serien oder Filme
Neben den öffentlich-rechtlichen und den privaten Fernsehsendern
gibt es auch noch so genannte Bezahlfernsehsender (Pay
TV), die vom Zuschauer direkt bezahlt werden (z. B.
Sky (Premiere)). Diese verschlüsseln ihre Sendungen.
Sie können lediglich mit speziellen Decodern gesehen
werden. Der Zuschauer bezahlt dann je nach System entweder
pro Programm/Programmpaket oder pro Sendung. Für die
Zukunft ist auch eine Bezahlung auf Bestellung geplant.
Da Werbung vom Zuschauer meist als störend empfunden
wird, verzichten Bezahlfernsehsender in der Regel auf
Werbung zur Finanzierung. Dies gilt auch oft als Hauptargument,
sich für ein Bezahlfernsehabonnement zu entscheiden,
wobei auch die Eigenwerbung als störend empfunden werden
kann.
In England gibt es auch noch eine Zwischenform. Das
dortige BSkyB ist zwar Bezahlfernsehen, es enthält aber
trotzdem etwa soviel Werbung wie werbefinanziertes Privatfernsehen.
Entwicklung:
Früher, mit Beginn des Fernsehens wurden Begriffe wie
z.B. elektrisches Sehen, telegraphisches Sehen, elektrisches
Fernsehen oder Telephanie genutzt.
1883 hat Paul Nipkow das „Elektrische Teleskop“ erfunden.
Mit Hilfe einer rotierenden Scheibe („Nipkow-Scheibe“),
die mit spiralförmig angeordneten Löchern versehen war,
wurden Bilder in Hell-Dunkel-Signale zerlegte bzw. wieder
zusammensetzt. Nipkow gab damit erstmals eine realisierbare
Form für eine funktionierende Fernsehbildübertragung
an, die aber erst viele Jahre später umgesetzt werden
konnte. Wegen der grundlegenden Idee zur Realisierung
wird Paul Nipkow manchmal als Erfinder des Fernsehens
bezeichnet. Die Technik zur Bildzerlegung und -wiedergabe
nach Nipkow war jedoch mechanisch und damit nicht besonders
leistungsfähig.
1907 gelang dem Russen Boris Rosing die erste Übertragung
und der Empfang eines Fernsehbildes, wofür er in vielen
Ländern, darunter auch in Deutschland, ein Patent erhielt.
In den 1920er Jahren ersetzte Leon Theremin die Löcher
in der Nipkow-Scheibe durch Spiegelanordnungen und erreichte
1927 bereits Übertragungen bei Tageslicht und Bilder
mit 100 Zeilen auf großflächigen Projektionen. Allerdings
wurden seine Ergebnisse nicht publiziert, sondern vom
sowjetischen Geheimdienst zur Personenüberwachung genutzt.
(Der bekannte Weltrekord war damals 48 Zeilen.)
Historischer Fernseher
(Braun HF 1 1958)
Historische Fernsehkamera
(Fernseh GmbH 1964)
Das erste elektronische Fernsehen entwickelte 1926
Kálmán Tihanyi - das „Radioskop“. Auch Manfred von Ardenne
arbeitete an einem System 1931, das ebenso auf Grundlage
der im Jahr 1897 von Ferdinand Braun zusammen mit Jonathan
Zenneck entwickelten Kathodenstrahlröhre (Braunsche
Röhre) funktionierte.
Diese ist die Grundlage für die bis heute am weitesten
verbreitete Methode, Bilder für das Fernsehen darzustellen.
Die ersten Anwendungen fand sie aber in Messapparaturen.
Die für das Fernsehen entscheidenden Weiterentwicklungen
der Kathodenstrahlröhre steuerte Vladimir Zworykin bei,
der 1923 den ersten brauchbaren elektronischen Bildabtaster,
die Ikonoskop-Röhre erfand, die ab 1934 in Serie
hergestellt wurde, heute aber keine Verwendung mehr
findet. 1929 erfand Vladimir Zworykin die Kineskop-Röhre
zur Bildwiedergabe. Einigen Angaben nach hatte Philo
Farnsworth schon 1927 unabhängig von Zworykin eine funktionierende
Kathodenstrahlröhre und Kameraröhre entwickelt und im
Labor mit beiden ein Bild übertragen, noch bevor Sworykin
sein Bildröhrenpatent realisierte. Somit ebneten die
beiden den Weg zum vollständig elektronischen Fernsehen.
Das erste echte elektronische Fernsehbild erzeugte
1906 in Deutschland Max Dieckmann (Schüler von Ferdinand
Braun), der eine Braunsche Röhre umgebaut hatte. Als
Aufnahmeinstrument setzte Dieckmann jedoch eine Nipkowscheibe
ein. Mangels elektronischer Verstärkung im Jahr 1906
waren anstelle der Löcher in der Nipkowscheibe Drahtbürsten
angebracht, welche eine Metallschablone abtasteten.
Diese Bilder konnten mit der Hand bewegt werden, der
Fernseher von Dieckmann gab so bewegte Bilder (in einer
Auflösung von 20 Zeilen bei 10 Bildern pro Sekunde)
wieder. Da es keine "richtige" Fernsehkamera
gab, blieb der Fernseher von Dieckmann zunächst ohne
praktische Bedeutung, die Bildröhre wurde damals als
zu teuer und zu kompliziert angesehen.
Erst 1926 griff der Japaner Kenjiro Takayanagi die
Idee wieder auf, und baute auf Basis der Kathodenstrahlröhre
einen funktionierenden Fernseher, auf Senderseite wurde
allerdings ebenfalls noch eine Nipkowscheibe eingesetzt.
Farbfernsehen:
Einer der Pioniere des Farbfernsehens war John Logie
Baird, dem es 1928 gelang, erste farbige Fernsehbilder
zu übertragen. Dies geschah aber noch mit mechanischer
Technik auf der Sende- wie Empfängerseite. Erst mit
der Erfindung der Schattenmaskenröhre bereits 1938 durch
Werner Flechsig in Deutschland, die in modifizierter
Form bis heute Bestandteil jedes Fernsehers oder Monitors
mit Bildröhre ist, hatte man die Möglichkeit, zumindest
auf der Empfängerseite auf mechanische Bauteile zu verzichten.
1939 wurden auf der Internationalen Funkausstellung
Berlin die ersten farbigen Fernsehbilder vorgeführt.
Ab den späten 1940er-Jahren wurden in den USA Versuchsendungen
mit verschiedenen Verfahren, z. B. mit rotierenden Farbfiltern
für die drei Grundfarben ausgestrahlt, aber keines der
Verfahren fand die Akzeptanz der Fachleute. Neben vielerlei
technischer Probleme war das Hauptproblem, Farbfernsehsendungen
so zu übertragen, dass sie auch kompatibel zu den Schwarzweiß-Fernsehern
waren. Erst 1953 wurde in Nordamerika die NTSC-Norm
für Farbfernsehen eingeführt. Man war bei der Durchsicht
der in Deutschland nach dem Krieg entwendeten Patentschriften
auf das Patent von Werner Flechsig gestoßen. Der Ingenieur
und Vizepräsident der RCA Norton Goldsmith entwickelte
dann eine Farbbildröhre. 1954 begann der offizielle
Sendebetrieb in Farbe. Das Problem der Kompatibilität
zu Schwarz/Weiß-Fernsehern hatte man gelöst, indem die
Farbsignale (Farbton und Farbsättigung, "Chroma")
und die Helligkeitssignale ("Luma") getrennt
übertragen werden. Der Schwarz/Weiß-Fernseher empfängt
nur die Helligkeitssignale, die dann das schwarz/weiße
Bild ergeben, während im Farbfernseher zusätzlich die
auf einem Seitenband gesendeten Chromasignale verarbeitet
werden.
Im März 1954 brachte RCA mit dem CT100 den ersten in
Großserie produzierten Farbfernseher auf den Markt.
Er hatte 36 Röhren, eine 15-Zoll-Bildröhre und kostete
1000 $, was nach heutiger Kaufkraft einem Preis von
ca. 12.000 $ entspricht. Die Bildqualität war eher bescheiden
und das Gerät war auch recht anfällig. Trotzdem waren
damit die Amerikaner den Europäern weit voraus, die
erst 12 bis 13 Jahre später mit der PAL-Norm von Walter
Bruch das Farbfernsehen einführten. Der Vorsprung der
Nordamerikaner hatte aber auch seinen Preis. Die NTSC-Norm
besitzt einige Schwächen, so dass es häufig zu Farbtonfehlern
bei der Darstellung kommt. Um diese Fehler auszugleichen,
gibt es an NTSC-Farbfernsehern eine zusätzliche Einstellmöglichket,
"Farbton", mit dem eine händische Korrektur
des Fehlers möglich ist. Das PAL-Verfahren sowie das
französische SECAM (SÉquentiel Couleur À Mémoire) hatten
zum Ziel, diese Farbfehler, die hauptsächlich auf dem
Übertragungsweg durch Phasenfehler entstehen, auszugleichen.
Das bedeutete erheblich höheren technischen Aufwand
auf Sende- wie Empfängerseite. Deshalb bekam das PAL-System
von den Amerikanern den Spitznamen "Pay Additional
Luxury". Im Gegenzug bezeichnen heute noch PAL-Techniker
das amerikanische NTSC scherzhaft als "Never Twice
Same Color" bzw. "Never The Same Colour".
Die Entscheidungen der Länder der Welt für ihr jeweiliges
Farbfernsehsystem hatten wohl hauptsächlich politischen
Hintergrund. Während viele den USA nahestehende Länder
in Südamerika und Asien wie z. B. Japan sich für NTSC
entschieden, führten z. B. ehemalige französische Kolonien
oft das SECAM-System ein. Die Mehrheit der Länder, die
in den 1960er-Jahren noch kein Farbfernsehen hatten,
entschieden sich aber für PAL, darunter nach heftigen
internen Diskussionen auch England, allerdings mit der
schon vorher eingeführten anderen Ton-Norm. Die UdSSR
entschied sich nach vergeblichen Versuchen, ein eigenes
Farbfernsehsystem einzuführen, neben zahlreichen anderen
Ländern des ehemaligen Warschauer Paktes für SECAM.
Im Gegensatz dazu entschied sich die Volksrepublik China
für das PAL-System.
Am 25. August 1967 wurde durch einen symbolischen Druck
auf einen roten Knopf durch Außenminister Willy Brandt
das Farbfernsehen in Deutschland eröffnet. Der erste
in Deutschland für das PAL-System produzierte Fernseher
war der Telefunken FE807 PAL Color. In der DDR begann
das Farbfernsehen 1969, dem 20. Jahrestag der DDR. Als
Verfahren wurde auch hier das französische SECAM gewählt.
Der erste in der DDR produzierte Farbfernseher war der
RFT Color 20/1. Im Gegensatz zu den allermeisten damaligen
Farbfernsehern war er bereits volltransistoriert. (Quelle:
Wikipedia)
Ausblick:
Viele Bestrebungen, die technische Qualität zu verbessern,
sind mangels Kooperation verschiedenster Interessengruppen
gescheitert. Sicher ist die Ablösung des analogen durch
das digitale Fernsehen, die beim Satelliten-Fernsehen
schon weitgehend abgeschlossen ist. Deutschland hat
sich das Ziel gesetzt, bis 2010 auf die digitale Ausstrahlung
der Fernsehprogramme umzustellen. 2003 wurde in Berlin
bereits die terrestrische analoge Fernsehausstrahlung
auf digitale auf Basis von DVB-T umgestellt. Auch beim
Kabelfernsehen soll in Deutschland der Analog-Digital-Übergang
bis 2010 abgeschlossen sein.
Erst in der Folge wird es wohl auch zu einer Verbesserung
der Bild- und Tonqualität, insbesondere bei der Auflösung
der Bilder (HDTV) kommen, da mit der fortschreitenden
Weiterentwicklung der Computertechnik Anpassungen an
zukünftige Fernsehnormen auch softwareseitig möglich
werden und dies den Zwang zum Kauf neuer Geräte vermeiden
helfen könnte. Mit HDTV soll zudem das Verschlüsselungssystem
HDCP etabliert werden, mit dem sich das Aufzeichnen
von Filmen und Sendungen theoretisch regeln und verhindern
lässt.
Die heute überwiegend auf Kathodenstrahlröhren basierenden
Fernsehgeräte werden bei sinkenden Preisen langsam von
den flachen und damit platzsparenden Plasmabildschirmen
oder Flüssigkristallbildschirmen abgelöst. Im Jahr 2006
wurden in Deutschland erstmals mehr Flachbildfernseher
verkauft als konventionelle Röhrenfernseher. Eine weitere
Alternative aber noch nicht ganz ausgereifte Technik
für Flachbildschirme sind OLED-Bildschirme, die gegenüber
den beiden anderen genannten Flachbildschirmtechnicken
mehrere Vorteile (Blickwinkelunabhängigkeit, weiter
reduzierter Stromverbrauch, schnellere Schaltzeiten,
biegsam) mit sich bringen könnten. Des Weiteren sind
auch flache Röhrenfernseher in der Entwicklung, die
mit der so genannten SED-Technik (Surface Conduction
Electron Emitter Display) arbeiten. Jeder Bildpunkt
bekommt dabei eine eigene kleine Röhre.
Für großformatige, kinoähnliche Abbildungen werden
Videoprojektoren (Beamer) verwendet. Ähnliche Geräte
waren bereits 1936 bei den Olympischen Spielen im Einsatz.
Mit dem Internet entsteht eine völlig neue Verbreitungsmöglichkeit
von bewegten Bildern und Ton, die in Konkurrenz zur
klassischen Nutzungs- und Verbreitungsform des Fernsehens
treten könnte, aber deutlich weitergehende Möglichkeiten
und Vorteile bietet. Dies könnte der klassischen Verbreitungsform
von Fernsehen zunehmend das Publikum entziehen. Allerdings
bleibt abzuwarten, ob und wie die Contentproduzenten
dabei ihre Produktionskosten einfahren können und wie
das klassische Fernsehen darauf reagieren wird. Bill
Gates erwartet, dass in 5 Jahren oder eher, das herkömmliche
Fernsehen zu großen Teilen vom Zuschauer per Einschaltquote
durch Internetfernsehen ersetzt sein wird. Erste große
Verdrängungsprozesse finden heute (1/07) bereits statt.
Auch eine Analyse des Meinungsforschungsinstitutes Allensbach
belegt, dass insbesondere bei jungen Menschen die Bedeutung
des herkömmlichen Fernsehens zugunsten des Internets
abnimmt. In einer Studie, die von der EIAA (European
Interactive Advertising Association) in Auftrag gegeben
wurde, wurde festgestellt, dass bei deutschen Jugendlichen
im Alter von 16 bis 24 Jahren das Internet häufiger
als das Fernsehen genutzt wird. US-Amerikaner nutzen
als Nachrichtenquellen vorwiegend (48 Prozent) das Internet,
wogegen das Fernsehen nur noch von 29 Prozent als primäre
Nachrichtenquelle genutzt wird. Die Management-Beratung
Accenture stellte in einer Studie fest, dass junge TV-Zuschauer
(16-24 Jahre) auf Videoplattformen abwandern. Heute
(6/08) schauen bereits 40 Prozent dieser Altersgruppe
regelmäßig Video im Internet. Als Hauptursache werden
die starren Sendezeiten beim Fernsehen genannt. Mark
Thompson, Chef der BBC, meinte auf der IFA 2008, dass
die Zukunft des Fernsehens eindeutig on-demand sei und
dass das Web vermutlich in Zukunft der wichtigste Vertriebsweg
für Fernsehen sein wird. Das statistische Bundesamt
hat festgestellt, dass im ersten Quartal 2008 38 Prozent
mehr Menschen in Deutschland (14 Mio.) TV- und Hörfunk
via Internet konsumiert haben als im Jahr zuvor. (Quelle:
Wikipedia)
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